Das Lebensrad: Wo du in deinem Leben schon bei dir angekommen bist

Du sitzt mit einem Stift vor zehn Lebensbereichen und füllst ein Feld nach dem anderen aus. Bei den Freundschaften malst du fast bis zum Rand. Bei der Familie ebenso. Dann kommt die Energie, und dein Stift bleibt irgendwo bei der Vier stehen.

Wenn du danach auf dein Lebensrad schaust, was fällt dir zuerst auf?

Viele Menschen sehen sofort die Vier. Die vollen Felder nehmen sie kaum noch wahr, sie wirken selbstverständlich und scheinen wenig mit einem selbst zu tun zu haben. Um diese übersehenen Bereiche geht es mir heute, und um ihre Verbindung zum Ankommensprozess, den ich dir im letzten Artikel vorgestellt habe.

Was ist das Lebensrad?

Das Lebensrad, auch Wheel of Life genannt, ist ein Kreis, der in mehrere Lebensbereiche unterteilt ist, etwa Gesundheit, Familie, Beruf oder Freundschaften. Für jeden Bereich wird von der Mitte (0) bis zum Rand (10) markiert, wie es sich dort gerade anfühlt. So entsteht eine Momentaufnahme des eigenen Lebens auf einem einzigen Blatt Papier.

Häufig wird dabei nach Zufriedenheit gefragt. Mich interessiert eher, wie stimmig sich ein Bereich anfühlt, also ob das, was läuft, auch noch zu dem Menschen passt, der ich heute bin.

Warum der Blick zuerst auf das fällt, was fehlt

Wer viele Jahre Verantwortung getragen hat, sieht schnell, wo etwas hakt, wo jemand Unterstützung braucht und was noch zu erledigen ist. Im Beruf und in der Familie ist dieser Blick oft unglaublich wertvoll.

Auf dem eigenen Lebensrad hat er allerdings eine Nebenwirkung. Die niedrigen Werte springen dich an wie offene Aufgaben, und aus einer Momentaufnahme wird unbemerkt die nächste To-do-Liste. Vielleicht taucht sogar der Gedanke auf: „Jetzt sehe ich schwarz auf weiß, wie viel nicht passt.“

Sketchnote Lebensrad: Eine Lupe richtet sich auf ein fast leeres Feld, die vollen Lebensbereiche bleiben unbeachtet

Dieser Reflex ist gut nachvollziehbar. Er erzählt allerdings mehr darüber, wie selbstverständlich du gelernt hast, dich für Lücken zuständig zu fühlen, als über dein Leben selbst.

Was deine stimmigen Lebensbereiche über dich verraten

Die Felder, die du bis weit an den Rand ausgemalt hast, sind selten einfach Glück. Meistens hast du dort irgendwann etwas getan, das dir heute gar nicht mehr auffällt. Du hast wahrgenommen, was du brauchst. Du hast eine Entscheidung getroffen, die sich nach dir angefühlt hat, und hast sie im Alltag gelebt, vielleicht gegen manche Erwartung, vielleicht auch ganz still.

Im Kern ist das der Weg, den ich im Ankommensprozess beschreibe. In diesen Bereichen bist du ihn also schon gegangen, oft ohne ihn so zu nennen. Beim Hinschauen wird dann häufig sichtbar, dass du weiter bist, als du glaubst. Die Fähigkeit, bei dir anzukommen, ist längst da. Sie wohnt bisher nur in einem Bereich, den du nie als deine eigene Erfahrung gewürdigt hast.

Mir selbst hat das Lebensrad genau das gezeigt. Es gab Bereiche, in denen es bereits gut lief und in denen ich schon auf dem Weg zu mehr Selbstverbundenheit war.

Eine kurze Denkpause

Denke an einen Bereich, der sich schon nach dir anfühlt.

  • Was hast du dir dort erlaubt, das du dir anderswo noch nicht erlaubst?
  • Woran hast du damals gemerkt, dass eine Entscheidung wirklich deine war?

Stimmig ist nicht dasselbe wie erfolgreich

Manchmal zeigt das Lebensrad auch das Umgekehrte. Ein Bereich, der von außen betrachtet eindeutig eine Neun ist, fühlt sich innerlich eher wie eine Fünf an. Die Karriere läuft, die Anerkennung ist da, und trotzdem ist dieser Teil des Lebens irgendwann leiser geworden.

Oft ist auch die eigene Bewertung stärker vom Außen geprägt, als es sich im ersten Moment anfühlt. Die Frage, was sich für dich stimmig anfühlt, ist deshalb gar nicht so leicht zu beantworten, und das darf sie auch sein. Wenn du dein Lebensrad auswertest, darf beides Platz haben, der Wert, den du dir nach außen geben würdest, und jener, der sich von innen wahr anfühlt.

Wie das Lebensrad und der Ankommensprozess zusammenwirken

Für mich ergänzen sich die beiden auf eine sehr natürliche Weise. Das Lebensrad schenkt mir den Überblick. Mit dem Ankommensprozess gehe ich dann in einen einzelnen Bereich hinein, meist in jenen, der mich gedanklich am häufigsten beschäftigt.

Dort beginne ich beim Wahrnehmen. Danach versuche ich zu verstehen, welches Muster dahinter wirkt, und es anzuerkennen, ohne sofort dagegen anzukämpfen. Erst dann interessiert mich, was heute wirklich meine Wahl ist und wie sie im Alltag sichtbar werden könnte. Ausführlicher habe ich die fünf Schritte im Artikel über den Ankommensprozess beschrieben.

Hilfreich ist für mich dabei immer wieder der Blick auf die stimmigen Bereiche. Was dort gelungen ist, kann eine Spur für jenen Bereich sein, der sich noch herausfordernd anfühlt. Und manchmal reicht es für den Anfang völlig, beim ersten Schritt zu bleiben und einfach wahrzunehmen.

Sketchnote Lebensrad: Fußspuren führen von den vollen Lebensbereichen zum Feld, das noch leer ist

Musst du dein Leben verändern, wenn dein Lebensrad Dellen hat?

Ein niedriger Wert ist zunächst eine Information. Manche Bereiche sind in bestimmten Lebensphasen bewusst leiser, weil gerade etwas anderes mehr Raum braucht. Ob und wann daraus eine Veränderung wird, bleibt deine Entscheidung.

Dein Lebensrad muss auch nicht rund werden. Selbstverbundenheit kann damit beginnen, dass du überhaupt wieder wahrnimmst, welcher Weg in welchem Bereich deiner ist. Oft ist die erste Veränderung viel kleiner, als die Sorge davor vermuten lässt, und sie stellt dein Leben nicht auf den Kopf.

Sketchnote Lebensrad mit Dellen rollt auf einem Weg, daneben handschriftlich „Es läuft trotzdem“

Dein Lebensrad als Vorlage zum Ausdrucken

Ich habe dir das Lebensrad als PDF-Vorlage vorbereitet, damit du es ausdrucken und in Ruhe ausfüllen kannst. Vielleicht magst du dir dafür einen Moment suchen, in dem niemand etwas von dir braucht, und bei den vollen Feldern ein wenig länger verweilen als bei den leeren.

Wenn sich dabei ein Bereich zeigt, der dir zu groß erscheint, um ihn alleine anzuschauen, dann begleite ich dich gerne. Manchmal meldet sich dabei auch der Gedanke, das eigene Thema sei zu klein für ein Coaching. Wenn es dich beschäftigt, ist es groß genug, um gemeinsam hingeschaut zu werden. Du musst in meinem Coaching keine schnellen Entscheidungen treffen. Wir schauen gemeinsam, was sich in diesem Bereich zeigt und was du heute brauchst, um dort wieder ein Stück mehr bei dir anzukommen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Lebensrad?

Das Lebensrad, im Englischen Wheel of Life, ist ein Reflexionswerkzeug aus dem Coaching. Ein Kreis wird in mehrere Lebensbereiche aufgeteilt, zum Beispiel Gesundheit, Familie oder Beruf. Für jeden Bereich wird auf einer Skala von 0 bis 10 markiert, wie stimmig er sich gerade anfühlt. So entsteht ein Bild der aktuellen Lebenssituation.

Wie werte ich mein Lebensrad aus?

Beim Auswerten können beide Seiten etwas erzählen. Niedrige Werte zeigen, wo etwas Aufmerksamkeit braucht. Hohe Werte zeigen, wo du bereits bei dir angekommen bist und welche Erfahrungen du mitbringst. Aufschlussreich ist oft auch, ob ein Bereich nach außen erfolgreich wirkt, sich innerlich aber ganz anders anfühlt.

Muss jeder Bereich im Lebensrad eine 10 haben?

Ein Lebensrad mit lauter Zehnern ist weder realistisch noch notwendig. Jede Lebensphase setzt andere Schwerpunkte, und manche Bereiche dürfen zeitweise leiser sein. Bedeutsamer ist häufig die Frage, ob du diese Verteilung selbst gewählt hast oder ob sie sich vor allem aus den Erwartungen anderer ergeben hat.

Was ist der Unterschied zwischen Lebensrad und Ankommensprozess?

Das Lebensrad zeigt eine Momentaufnahme deiner Lebensbereiche und macht sichtbar, wo es sich schon stimmig anfühlt und wo noch nicht. Der Ankommensprozess beschreibt einen möglichen Weg in fünf Schritten, vom Wahrnehmen über Verstehen, Anerkennen und Ausrichten bis zum Verkörpern, mit dem du einem einzelnen Bereich wieder näherkommen kannst.

Artikel, die dich noch interessieren könnten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert