Wünschst du dir auch manchmal, du könntest so funktionieren wie andere in deinem Umfeld? Du beobachtest Menschen, die scheinbar alles durchhalten sowie durchziehen und dabei wirkt es nach außen oft noch mühelos.
Währenddessen kämpfst du in deinem Inneren einen ganz eigenen Kampf, den niemand sieht. Du fragst dich, warum dich die gleichen Dinge so viel Kraft kosten. Warum du immer wieder Pausen brauchst, warum dich manches tiefer berührt oder schneller überfordert als andere. Und irgendwann schleicht sich der Gedanke ein, dass du vielleicht einfach nicht belastbar genug bist.
Doch was wäre, wenn genau hier ein anderer Impuls ansetzen darf?
Was, wenn mit dir nichts falsch ist?
Was, wenn es nicht an dir liegt?
Vielleicht kannst du meine Wahrnehmung nachvollziehen, dass dauerhafter Stress längst normal für uns geworden ist. Dass Anspannung einfach dazugehört und kaum noch hinterfragt wird. Wir bewegen uns in einem Umfeld, in dem Erschöpfung beinahe als Auszeichnung gilt, weil sie zeigt, dass man in all seinen Rollen perfekt abliefert. Anerkennung bekommen häufig diejenigen, die scheinbar alles im Griff haben und den Erwartungen entsprechen. Und wenn jemand nicht mehr kann, wird schnell die individuelle Schwäche gesucht, um eine Antwort zu haben.
Die unsichtbare Kraft des Vergleichens
Wenn dein Körper oder deine Seele irgendwann streiken, heißt es rasch, du seist zu sensibel oder nicht belastbar genug. Dir wird in einem Nebensatz geraten, mehr auf dich zu schauen oder dich einmal zu entspannen. Doch dieser Rat steigert meist das Gefühl der Unzulänglichkeit, auch wenn er meist gut gemeint ist, schiebt er dir gefühlt auch gleichzeitig die Schuld an deinem Zustand zu.
Dabei hast du vielleicht nur sehr lange stark sein wollen, ohne wahrzunehmen, wie viel du tatsächlich trägst. Du hast gelernt, dich zusammenzureißen, weiterzumachen und zu lächeln. Auch wenn es sich innerlich längst nicht mehr ausgeht für dich.
Ein Teil dieser Erschöpfung entsteht durch etwas, das oft ganz leise beginnt, durch das ständige Vergleichen.
Du vergleichst dein Innenleben mit der Außenwirkung anderer.
Du siehst ihre Leistung, ihre Energie sowie ihre Souveränität. Was du nicht siehst, sind ihre Zweifel, ihre Ängste oder ihre inneren Kämpfe.
Und genau hier darf ein bewusster Stopp mit dem Vergleichen ansetzen.
Denn während du dich vergleichst, läuft in dir ein innerer Dialog ab, meist kritisch und in den seltensten Fällen wohlwollend.
Vielleicht kennst du Gedanken wie:
- „Bei anderen schaut das alles so leicht aus.“
- „Ich muss mich nur mehr anstrengen.“
- „Ich darf mir keine Schwäche erlauben.“
- „Es reicht noch nicht.“
Dieser Dialog begleitet dich Tag für Tag, oft unbemerkt, er wird so zum inneren Soundtrack deines Lebens.

Wie dein innerer Dialog dein Erleben prägt
Unsere Gedanken beeinflussen unsere Gefühle.
Unsere Gefühle prägen unser Verhalten.
Und unser Verhalten gestaltet letztlich unseren Lebensweg.
Wenn dein innerer Dialog stark von Perfektionismus, Selbstzweifeln oder Gefallen wollen geprägt ist, entsteht ein dauerhafter Druck. Du arbeitest gegen deine eigenen Bedürfnisse, gegen deine Grenzen und manchmal sogar gegen deine Werte. Das kostet dir deine Energie, häufig mehr, als die äußeren Anforderungen selbst.
Viele Menschen, die ich begleite, wirken nach außen stark, verlässlich und kompetent. Innerlich fühlen sie sich jedoch zunehmend leer oder zerrissen. Nicht, weil sie zu schwach sind, sondern weil sie über lange Zeit gelernt haben, ihre eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen und sich dabei auch noch ständig mit anderen Menschen vergleichen.
Typische innere Antreiber können dabei sein:
- „Ich bin nur wertvoll, wenn ich leiste.“
- „Ich muss es allen recht machen.“
- „Ich darf keine Fehler machen.“
- „Ich muss alles alleine schaffen.“
Solche Überzeugungen entstehen nicht zufällig. Sie sind eingebettet in familiäre, berufliche und gesellschaftliche Systeme. Denn systemisch betrachtet bewegen wir uns nie isoliert, sondern immer im Zusammenspiel mit unserem Umfeld.

Stopp des Vergleiches als Akt der Selbstführung
Dieses Vergleichen zu stoppen bedeutet nicht, dass du dich von der Welt abwendest oder plötzlich nichts mehr wahrnimmst. Es bedeutet, dass du beginnst, dich selbst wieder mitzudenken. Dich als Individuum von den anderen zu unterscheiden. Wir haben alle unterschiedliche Voraussetzungen und Ressourcen, schon alleine deshalb hinkt jeder Vergleich.
Wir können unsere durch und durch leistungsorientierte Gesellschaft nicht von heute auf morgen verändern. Aber du kannst beginnen, deine Beziehung zu dir selbst zu verändern. Und das ist ein kraftvoller Schritt in Richtung Selbstführung.
Das bedeutet hinzuschauen:
- auf Muster, die dich schon lange begleiten
- auf innere Stimmen, die sehr laut geworden sind
- und auf Bedürfnisse, die vielleicht viel zu lange gewartet haben
Dabei geht es nicht darum, dich zu optimieren oder leistungsfähiger zu machen. Es geht darum, bewusster zu werden. Du darfst entdecken, dass du die Antworten bereits in dir trägst.

Drei erste Schritte zurück zu dir
Vielleicht fragst du dich, wie du beginnen kannst. Drei erste Impulse können sein:
1. Höre dir selbst bewusst zu.
Achte darauf, was du dir in herausfordernden Momenten erzählst. Allein dieses Wahrnehmen verändert bereits etwas.
2. Hinterfrage deine Gedanken.
Ist das wirklich wahr? Oder ist es eine alte Geschichte, die du übernommen hast? Würdest du mit einer guten Freundin genauso sprechen?
3. Formuliere deinen inneren Dialog behutsam neu.
Nicht schönredend, sondern realistisch und wohlwollend. Deine kritischen Stimmen müssen nicht verschwinden, aber sie dürfen ergänzt werden durch eine unterstützende Perspektive.
Wenn du aufhörst, dein Innenleben permanent mit der Außenwirkung anderer zu vergleichen, entsteht Raum. Raum für deine Werte, deine Bedürfnisse und deine Energie. Und oft kehrt genau dadurch ein Stück Kraft zurück, weil du beginnst, dich selbst ernst zu nehmen.

Hast du dich wieder erkannt?
In dem Gefühl, zwischen unterschiedlichen Rollen aufgerieben zu sein. In der latenten Müdigkeit, obwohl du nach außen alles im Griff hast. In der leisen Frage, wo du selbst in deinem eigenen Leben geblieben bist.
Und vielleicht ist es kein Zufall, dass dich dieses Thema gerade berührt.
Dieser Stopp mit dem Vergleichen kann der Moment sein, in dem du dich selbst wieder ernst nimmst. In dem du anerkennst, dass deine Sensibilität auch eine Stärke ist. In dem du dir erlaubst, Unterstützung anzunehmen, ohne es als Schwäche zu bewerten.
Veränderung beginnt selten laut. Oft beginnt sie mit einem ehrlichen Innehalten und der Entscheidung, dir selbst zuzuhören. Und vielleicht darf es genau jetzt ein Stück anders werden.
Herzlichst,
Deine Petra

































