Eine schrecklich nette Familie …

… und warum unsere Ursprungsfamilie unser Berufsleben stärker prägt, als wir denken.

Wieso triggert mich die Aussage meiner Vorgesetzten so sehr?
Wieso bekomme ich Herzklopfen, sobald ein Konflikt im Raum steht?
Wieso glaube ich immer noch, nur perfekt sei gut genug?
Und weshalb fällt es mir so schwer, „Nein“ zu sagen“?

Vielleicht kennst du diese Fragen aus deinem Arbeitsalltag. Viele Menschen merken erst spät, dass die Muster, die sie im Job begleiten wie zB Perfektionismus, People Pleasing, Harmoniestreben oder die Angst vor Konflikten, nicht einfach berufliche Eigenschaften sind, sondern familiäre Muster im Job, die ihren Ursprung viel früher haben.

Viele meiner Coachees beschreiben ähnliche Momente, oft mit einem leisen schlechten Gewissen, weil sie „doch eigentlich wissen sollten, wie man damit umgeht“. Und gleichzeitig spüren sie: Irgendwas an diesen Reaktionen sitzt tiefer.

In der systemischen Arbeit schauen wir genau dorthin, wertschätzend, ohne Bewertung, ohne vorschnelle Lösung. Denn wir alle sind Teil verschiedener Systeme.

Gang in einem Bürogebäude mit einem Rucksack mit allen Familienbildern und Notizzetteln.

Wir bewegen uns nie ohne unsere Systeme – auch nicht im Büro

Aus systemischer Sicht sitzt in einem Coaching nie nur ein Mensch. Es sitzt auch die Ursprungsfamilie mit im Raum, die Kernfamilie, frühere Rollen, unausgesprochene Loyalitäten, geerbte Werte und Glaubenssätze.

Genau diese familiären Prägungen beeinflussen heute oft unbewusst:

  • unser Konfliktverhalten im beruflichen Kontext,
  • unser Führungsverständnis,
  • wie wir Grenzen setzen oder eben nicht,
  • wie wir mit Autorität umgehen,
  • warum wir Verantwortung übernehmen (manchmal zu viel),
  • warum Perfektionismus uns antreibt,
  • und weshalb wir im Job oft funktionieren, statt in Verbindung mit uns selbst zu bleiben.

Diese Muster entstehen selten im beruflichen Umfeld. Sie beginnen in unserer Ursprungsfamilie. Wir tragen diese Themen nicht bewusst durch die Welt. Sie wirken eher wie ein innerer Kompass, der still in die Richtung zeigt, die wir von früher kennen.

Schreibtisch mit Notebook und einem alten Kompass.

Kein Schuldzuweisen – sondern ein Sichtbarmachen von Mustern

Wenn wir über familiäre Prägungen sprechen, geht es niemals darum, in die Opferrolle zu rutschen oder Eltern zu „beschuldigen“. Es geht um etwas viel Wertvolleres, nämlich um zu verstehen, wo Muster entstanden sind, die heute dein berufliches Leben beeinflussen.

  • Welche Muster waren damals wichtig – und wieso funktionieren sie heute nicht mehr?
  • Welche Rollen hast du übernommen, die im Beruf unbewusst weiterlaufen?
  • Welche Werte hast du geerbt, die dich heute eher einengen als stärken?

Wenn diese Muster, Rollen und Werte  für dich sichtbar werden, dann erhältst du damit die Chance, daran zu arbeiten. Wenn du dich fragst, wie du diese überhaupt entdecken kannst, dann lies einfach weiter.

Das Genogramm: Ein systemisches Tool, das familiäre Muster im Job sichtbar macht

Ein Genogramm ist eine visuelle Darstellung von mindestens drei Generationen deiner Familie. Es zeigt Beziehungen, Rollen, Brüche, Werte, Loyalitäten und Wiederholungen.

Hier geht es nicht nur darum, wer zu deiner Familie gehört, sondern wie diese Menschen miteinander in Beziehung standen:

  • welche Rollen sie übernommen haben
  • wie Konflikte gelöst oder vermieden wurden
  • welche Werte dort galten
  • welche Brüche oder Wiederholungen sichtbar werden
  • welche Berufe, Karrierewege oder Autoritätsmuster sich durch die Generationen ziehen

Beim Betrachten eines fertigen Genogramms tauchen oft überraschende Aha-Momente auf: „Jetzt ergibt so vieles Sinn.“

Diese Erkenntnisse sind kein Urteil über deine Herkunft, es handelt sich vielmehr um eine Einladung, dich selbst besser zu verstehen.

Notizbuch mit einem angedeutedem Genogramm

Warum diese Muster im Beruf plötzlich laut werden

Gerade Menschen, die im Außen stark wirken, die immer verlässlich sind, spüren irgendwann, dass ihr inneres System beginnt zu rebellieren. Alles was bisher immer gut für sie funktioniert hat, passt nicht mehr zu den tatsächlichen Bedürfnissen.

Typische Auswirkungen dieser tief verankerten Prägungen:

  • wiederkehrende Konflikte mit Vorgesetzten
  • das Gefühl, nie genug zu sein
  • Überforderung durch zu viel Verantwortungsübernahme
  • Unsicherheiten in Führungspositionen
  • berufliche Erschöpfung trotz Erfolg
  • das Gefühl, sich im Team klein zu machen
  • Selbstzweifel trotz hoher Kompetenz

Diese Muster sind nicht deine „persönliche Schwächen“. Es handelt sich dabei um übernommene familiäre Strategien.

Und was passiert dann im Coaching?

Wenn du erkannt hast, welche familiären Muster im Job wirken, kann ich dir verschiedene Möglichkeiten anbieten, wie du mit dem Ergebnis weiterarbeiten kannst. Immer auf einer wertschätzenden Basis und niemals mit fertigen Lösungen.

Zum Beispiel mit:

  • Aufstellungen
  • Dem Innerem Team
  • Glaubenssatzarbeit
  • Wertearbeit
  • Timeline-Arbeit
  • Ressourcenaktivierung

Das Ziel ist nicht, dich effizienter oder leistungsfähiger zu machen.
Es geht darum, deine inneren Ressourcen wiederzufinden, die unter all den Erwartungen und Rollen begraben wurden, dich wieder in Verbindung mit dir selbst zu bringen. Genau das, was Menschen in der Mitte ihres Lebens so dringend brauchen, wenn die alten Rollen nicht mehr passen.

Aufstellung am Systembrett

Was sich verändert, wenn Muster sichtbar werden

Sobald du beginnst deine Herkunft und die dadurch bedingten Prägungen zu erstehen, beginnt eine Veränderung in dir. Er eröffnen sich dir neue Handlungsmöglichkeiten:

  • Du kannst aufhören, gegen deine eigenen Muster anzukämpfen.
  • Du kannst erkennen, welche Regeln nicht mehr deine sind.
  • Du entdeckst neue Wahlmöglichkeiten.
  • Du kannst Entscheidungen treffen, die von innen kommen – nicht aus alten Loyalitäten.
  • Du erlaubst dir Grenzen, Leichtigkeit, Ruhe und Klarheit.
Eine gesprengte Kette und ein Zettel

Eine kleine systemische Reflexionsfrage zum Schluss

Welche Regeln, die du heute im Beruf befolgst, stammen eigentlich nicht von dir – sondern aus deiner Herkunftsfamilie?

Und: Welche davon dienen dir noch – und welche engen dich eher ein?

Was kommt in dir auf, nach dem Lesen dieses Textes?
Fallen wir selbst Muster, Glaubenssätze und Prägungen auf, welche dein berufliches Leben beeinflussen?
Bekommst du Lust, selbst einmal einen Blick auf deine Ursprungsfamilien zu werfen?

An dieser Stelle kommt eine meiner Kernbotschaften:
Du musst das nicht alleine schaffen!

Gerade im Bereich der Ursprungsfamilie macht es Sinn, sich begleiten zu lassen. Denn die Tools aus der Lebens- und Sozialberatung sowie aus dem systemischen Coaching können hier eine Unterstützung bei der Begleitung bieten.

Herbst ist, wenn der Kalender überläuft – und das Jahr zu kurz wird

Draußen färben sich die Blätter, die Luft wird kühler, das Licht weicher.
Die Natur bereitet sich auf den Rückzug vor.
Nur dein Kalender geht über.
Termine reihen sich aneinander, Projekte wollen abgeschlossen werden, noch schnell vor Jahresende.
Zwischen Meetings, To-dos und Erwartungen jagt ein Tag den nächsten. Du planst, verschiebst, strukturierst – und doch scheint die Zeit immer knapper zu werden.
Dein Kopf läuft auf Hochtouren, das Gedankenkarussell dreht sich weiter – selbst nachts.

Und irgendwo zwischen allem fragst du dich:
Wie soll ich das alles schaffen?

Kommt dir das bekannt vor?

Der stille Druck im Hintergrund

Du willst allem gerecht werden.
Du willst zuverlässig, stark, professionell sein.
Du willst es richtig machen.

Vielleicht kennst du diese Gedanken:

  • „Ich muss jetzt noch mal Gas geben.“
  • „Ich muss für alle da sein.“
  • „Ich muss das Jahr stark zu Ende bringen.“
  • „Ich muss weitermachen, sonst geht sich nicht mehr alles aus.“

Dieses kleine Wort – MUSS – hat große Macht.
Es schränkt dich ein, nimmt dir Spielraum, lässt keinen Raum für dich. Es erzeugt Druck, und dieser Druck kostet Kraft.

Du funktionierst weiter, auch wenn du spürst, dass du längst über deine Grenzen gehst. Du sagst „Ja“, obwohl in dir alles „Nein“ schreit.
Du organisierst, schiebst, erledigst – und streichst lieber deine eigene Zeit, um noch mehr zu schaffen.

Denn du musst ja … oder?

Wenn dein Außen perfekt scheint, dein Inneres aber müde ist

Nach außen bist du die, die alles im Griff hat.
Innen wächst das Gefühl, dass es so nicht weitergeht.
Das Gedankenkarussell dreht sich, du führst Listen, um nichts zu vergessen – und verlierst dabei das Wichtigste: dich selbst.

Vielleicht ist das der Moment, in dem du innehalten darfst.

Was, wenn der Herbst dich ruft, loszulassen?

Der Herbst zeigt uns, wie Veränderung geht:
Die Natur zieht sich zurück, lässt los – nicht, weil sie aufgibt, sondern um Kraft zu sammeln.
Nur wer Altes loslässt, kann im Frühling neu aufblühen.

  • Was wäre, wenn du dir erlaubst, langsamer zu werden?
  • Wenn du Erholung nicht erst dann zulässt, nachdem alles geschafft ist – sondern damit du weitermachen kannst?
  • Wenn du Pausen als Teil deines Erfolgs siehst?
  • Wenn du dir zugestehst, einfach mal zu sein – ohne etwas leisten zu müssen?

Selbstfürsorge ist kein Rückzug – sie ist Stärke

Diese Reflexion ist bereits ein Schritt in Richtung Selbstfürsorge – oder, wie ich es im Coaching oft nenne, Selbstführung.

Du darfst auf dich schauen.
Nicht, um weniger zu tun, sondern um bewusster zu wirken.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie herausfordernd solche Phasen sind.

In einem meiner eigenen systemischen Coachings hatte ich eine Schlüsselerkenntnis, die vieles verändert hat:

„Ich kann nur dann für andere da sein, wenn es mir gut geht.“

Wenn du deine Energie schützt, stärkst du nicht nur dich, sondern auch alle, die dir wichtig sind.
Das ist keine Schwäche – das ist wahre innere Stärke.

Aus dem „Ich muss“ darf ein „Ich will“ werden

Ersetze das Wort „muss“ einmal durch ich „will“ oder ich „möchte“ – und spüre den Unterschied.

Plötzlich entsteht Raum.
Entscheidungsfreiheit. Leichtigkeit.

Das ist der Beginn deiner Selbstführung – der Moment, in dem du wieder Einfluss nimmst auf dein Leben, statt dich von Erwartungen lenken zu lassen.

Ein leiser Neuanfang

Vielleicht ist dieser Herbst eine Einladung.
Nicht, um noch mehr zu tun –
sondern um weniger zu müssen.

Um dir selbst zuzuhören.
Um zu erkennen, dass du genug bist – auch, wenn du gerade müde bist.
Um dich daran zu erinnern, dass Rückzug kein Stillstand ist, sondern ein Akt des Aufladens.

Wenn du spürst, dass es Zeit ist, auf dich zu schauen –
nicht, um zu funktionieren, sondern um wieder zu leben,
dann darf dieser Herbst dein Wendepunkt sein.

Veränderung beginnt mit kleinen Schritten

Echte Veränderung braucht Zeit.
Sie geschieht nicht über Nacht – sondern Schritt für Schritt.
Wenn du hinsiehst, wirst du entdecken, dass du bereits viele Ressourcen in dir trägst:
Kraft, Mut, Klarheit.

Frage dich:

  • Wie sprichst du mit dir selbst?
  • Wo erzeugst du inneren Druck, den niemand von dir verlangt?
  • Wo sagst du Ja, obwohl du Nein meinst?
  • Welche Termine dürfen warten?
  • Und was tut dir wirklich gut?

Manchmal liegt der größte Wandel in einem einzigen neuen Gedanken.

Du musst nicht alles alleine schaffen

Du darfst dir Unterstützung holen, um hinzuschauen, was du wirklich brauchst.
Denn alles, was du suchst, trägst du bereits in dir.

Manchmal braucht es nur jemanden, der dich begleitet, bis du es wieder spürst.
Ich begleite dich gern auf diesem Weg im Coaching – ein Raum für dich, der dich stärkt, klärt und zu dir selbst zurückführt.

In deinem Tempo.
In deinem Rhythmus.
Damit du wieder bei dir ankommst –
und von dort aus weitergehst.

Wenn du spürst, dass dich dieser Text berührt,
dann ist das vielleicht dein Zeichen, dir selbst Raum zu schenken.
Ich lade dich herzlich ein, dir ein unverbindliches Erstgespräch zu buchen –
um herauszufinden, was du gerade brauchst, um wieder in Balance zu kommen.

Herzlichst,
deine Petra

Regelmäßig gibt es bei mir neue Blogartikel zu lesen – hier kommst du zu meinen bereits veröffentlichten Texten:

Wenn du mit mir in Kontakt treten möchtest: